Quelle: Swiss University Sports

Mike Kurt
  • Olympia Teilnehmer im Kanu (2004, 2008, 2012)
  • hauptberuflich Unternehmer und selbständiger Unternehmensberater bei diversen Tech- und Innovationsprojekten
  • Der Sport hat 2020 auf allen Ebenen stark unter der Coronakrise gelitten. Welche Risiken trägt diese Situation in die Zukunft für den Spitzen- wie auch Breitensport?

Das Covid-19 Stabilisierungspaket des Bundes soll sicherstellen, dass die langjährig aufgebauten Strukturen im Schweizer Sport nun nicht in kurzer Zeit einen irreversiblen Schaden erleiden. Unklar ist, was die mittel- und längerfristigen Auswirkungen auf die wichtigen Pfeiler des Schweizer Sports, wie beispielsweise die Freiwilligenarbeit, Sponsoring-Partnerschaften, Nachwuchsrekrutierung oder Mitgliedschaftsmodelle, sind. Diese Risiken sind aktuell schwierig abzuschätzen. Für die Athletinnen und Athleten hat Swiss Olympic zusätzliche Gelder gesprochen und namentlich einen Fonds von einer Million für Härtefälle geschaffen. Ich habe die letzten Monate mit unzähligen Spitzensportler*innen gesprochen. Der Spitzensport lernt glücklicherweise mit Ausnahmesituationen umzugehen und die Olympischen Spiele in Tokyo 2021 und Peking 2022, sowie die Aussicht auf einen baldigen Impfstoff, sind nun sozusagen das ersehnte Licht am Ende des Tunnels für unsere Sportler*innen.

  • Die Krise hat die Digitalisierung stark vorangetrieben. Du giltst in der Sportszene als eine innovative, vorwärtsschauende Person. Welchen Impact erwartest du in den nächsten 2-3 Jahren, der auf den Schweizer Sport zukommt?

Der Sport hat naturgemäß mit all seinen Emotionen starke Alleinstellungsmerkmale und einen unbestrittenen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Etwas überspitzt gesagt, hat dies aus meiner Sicht dazu geführt, dass das Verständnis der «Digitalisierung» im Sport bisher primär darin lag, analoge Prozesse neu digital abzubilden. Bei der «digitalen Transformation» muss es aus meiner Sicht aber auch darum gehen, neue und disruptive Geschäftsmodelle- und Ansätze zu entwickeln, zeitgemäße Lösungen für die wichtigsten Herausforderungen zu finden (wie z.B. die künftige Entwicklung der Vereins-Mitgliedschaften) und auch digitale Einnahmequellen und neue Zielgruppen zu erschliessen. Wenn man beispielsweise nach Amerika oder in die Deutsche Bundesliga schaut, dann ist da das Thema SportsTech omnipräsent und namentlich die Fussball-Vereine investieren viel in ihre digitale Zukunft und in Themen wie «Fan-Engagement».

Das IOC hat aus meiner Sicht die gesellschaftliche Veränderung erkannt und nimmt laufend neue Sportarten wie Surfen, Skateboarden oder Breakdance ins Olympische Programm auf. Dies ist für den Sport eine riesige Chance, unsere Werte ganz neuen Zielgruppen zu vermitteln. Die technologische Entwicklung muss dabei aber Schritt halten. Sprich, wenn die jungen Menschen via «Twitch» E-Sports-Wettkämpfe «streamen» und nicht mehr am Sonntagabend im linearen Fernsehen das Sportpanorama schauen, dann hat dies mittelfristig einen direkten Einfluss auf den klassischen Sport und dessen Monetarisierung. Hier braucht es die nächsten Jahre neue, innovative Antworten seitens des Sportes.

  • Der Skandal im Zusammenhang mit der Rhythmischen Sportgymnastik, die Fangewalt am Rande von Fussballspielen, die Eskapaden in den int. Verbänden (FIFA, IAA, andere) oder auch die immer wieder aufkommenden Dopingskandale lassen am Spitzensport zweifeln. Ist der Sport in der Lage, sich selbst zu regulieren oder braucht es stärkere staatliche Regulierungen?

Der Sport lebt von seiner Glaubwürdigkeit. Es ist für mich persönlich deshalb unbestritten, dass es zum Schutz unserer Sportler*innen und unserer gemeinsamen Werte komplett unabhängige Stellen braucht für die Regulierung der kritischen Bereiche. Wie wichtig die Unabhängigkeit ist, zeigt das aus meiner Sicht erfolgreiche Modell bei der Doping-Bekämpfung mit Antidoping Schweiz. Als aktiver Athlet war es mir enorm wichtig, dass wir in der Schweiz ein gut funktionierendes, unabhängiges Anti-Doping-System haben.